Relaisbetrieb leicht gemacht: Funkgerät auf 2 m und 70 cm einstellen
„PTT drücken – oder erst zuhören?“ Diese Frage stellt sich fast jeder Funkamateur beim ersten Relaisbetrieb. Du hast ein Relais gefunden, hörst andere Stationen und möchtest selbst einen Anruf starten. Doch welche Frequenz musst du einstellen? Was bedeutet die Ablage? Und warum öffnet das Relais manchmal nicht?
Mit den richtigen Einstellungen ist der Einstieg unkompliziert. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du dein Funkgerät für den Relaisbetrieb auf 2 m und 70 cm vorbereitest, einen allgemeinen Anruf startest und typische Fehler vermeidest.
Inhaltsverzeichnis
Was macht ein Relais?
Ein Amateurfunkrelais empfängt dein Funksignal auf einer Eingabefrequenz und sendet es auf einer anderen Frequenz erneut aus. Bei einem üblichen analogen FM-Sprechfunkrelais erfolgt diese Weiterleitung während deiner Aussendung.
Weil Relaisantennen häufig auf Türmen, Bergen oder anderen erhöhten Standorten installiert sind, lassen sich damit Verbindungen herstellen, die zwischen zwei Funkgeräten auf direktem Weg nicht möglich wären.
Drei Begriffe solltest du kennen:
- Ausgabefrequenz: Hier sendet das Relais. Auf dieser Frequenz hörst du andere Stationen.
- Eingabefrequenz: Hier empfängt das Relais. Auf dieser Frequenz sendet dein Funkgerät.
- Ablage (Shift): Der Frequenzunterschied zwischen deiner Sende- und Empfangsfrequenz.
Die technischen Grundlagen und verschiedenen Relaisarten erklären wir ausführlicher im Beitrag Was ist ein Funkrelais und wie funktioniert es?.
Funkgerät auf 2 m und 70 cm einstellen
Für den Relaisbetrieb benötigst du die Betriebsdaten des gewünschten Relais. Dazu gehören die Eingabe- und Ausgabefrequenz, die Betriebsart und gegebenenfalls ein Zugangston.
1. Frequenz und Ablage richtig einstellen
Bei vielen analogen FM-Relais in Deutschland werden folgende Ablagen verwendet:
| Band | Häufige Ablage | Beispiel Ausgabefrequenz | Beispiel Eingabefrequenz |
|---|---|---|---|
| 2 m | −600 kHz | 145,700 MHz | 145,100 MHz |
| 70 cm | −7,6 MHz | 438,800 MHz | 431,200 MHz |
Die Frequenzpaare sind rechnerische Beispiele und keine Betriebsdaten eines bestimmten Relais. Andere Ablagen sind möglich.
Beispiel für das 2-m-Band:
Ein Relais sendet auf 145,700 MHz. Die Ablage beträgt −600 kHz.
145,700 MHz − 0,600 MHz = 145,100 MHz
Dein Funkgerät empfängt auf 145,700 MHz und sendet beim Drücken der PTT-Taste auf 145,100 MHz.
Bei einem 70-cm-Relais mit 438,800 MHz Ausgabefrequenz und −7,6 MHz Ablage ergibt sich entsprechend eine Eingabefrequenz von 431,200 MHz.
Viele Funkgeräte übernehmen die Frequenzumschaltung automatisch. Die Einstellung findest du häufig unter Shift, Offset, Duplex oder Repeater.
Wichtig: Verlasse dich nicht allein auf die üblichen Ablagen. Entscheidend sind immer die veröffentlichten Frequenzdaten des gewünschten Relais.
2. FM oder NFM auswählen
Analoge Sprechfunkrelais verwenden Frequenzmodulation (FM). Je nach Kanalraster und Relaiskonfiguration kann eine schmalbandige FM-Einstellung erforderlich sein.
Viele Funkgeräte unterscheiden zwischen FM und NFM. Welche Einstellung passt, hängt von den technischen Vorgaben des Relais und der konkreten Geräteimplementierung ab.
Ein Kanalabstand von 12,5 kHz bedeutet nicht, dass die tatsächlich belegte Signalbandbreite exakt 12,5 kHz beträgt.
Eine falsche Einstellung kann dazu führen, dass deine Sprache zu leise oder verzerrt übertragen wird. Prüfe deshalb die Betriebsdaten des Relais und die Bedienungsanleitung deines Funkgeräts.
3. Zugangston kontrollieren
Manche Relais öffnen erst, wenn sie zusätzlich ein bestimmtes Zugangssignal empfangen.
Dafür kommen insbesondere CTCSS oder ein 1750-Hz-Tonruf infrage. Einzelne Systeme können andere Zugangsverfahren verwenden.
Welche Einstellung erforderlich ist, erfährst du aus den Relaisdaten.
4. Sendeleistung wählen
Beginne mit einer möglichst niedrigen Sendeleistung, die eine zuverlässige Verbindung erwarten lässt.
Gerade beim Handfunkgerät kann ein günstigerer Standort mehr bewirken als eine höhere Ausgangsleistung. Versuche beispielsweise einen Platz mit weniger Hindernissen zwischen deinem Standort und dem Relais.
Ob deine Sprache verständlich ankommt, lässt sich am zuverlässigsten durch eine Rückmeldung einer Gegenstation beurteilen.
5. Relaisdaten speichern
Wenn dein Funkgerät Speicherkanäle unterstützt, speichere die Einstellungen ab.
Dazu gehören:
- Empfangsfrequenz
- Sendefrequenz beziehungsweise Ablage
- FM-/NFM-Einstellung
- erforderlicher Zugangston
- aussagekräftige Kanalbezeichnung
So musst du die Daten beim nächsten Funkkontakt nicht erneut eingeben.
CTCSS, DCS und 1750-Hz-Tonruf
Was ist CTCSS?
CTCSS steht für Continuous Tone-Coded Squelch System.
Dabei überträgt dein Funkgerät zusammen mit der Sprache einen niederfrequenten Ton. Das Relais kann diesen auswerten und seine Weiterleitung entsprechend freigeben.
Ein möglicher CTCSS-Wert ist beispielsweise 88,5 Hz. Diesen Wert darfst du jedoch nicht pauschal für jedes Relais verwenden.
Achte auf den Unterschied zwischen Sende- und Empfangston:
- TX-CTCSS: Dein Funkgerät sendet den Ton zur Aktivierung des Relais.
- RX-CTCSS: Dein Funkgerät öffnet seine eigene Rauschsperre nur bei Empfang des passenden Tons.
Ein falsch eingestellter Empfangston kann dazu führen, dass du das Relais trotz vorhandenem Signal nicht hörst.
CTCSS ist keine Verschlüsselung und verhindert nicht, dass andere Funkamateure das Gespräch mithören.
Was bedeutet DCS?
DCS steht für Digital-Coded Squelch. Dabei wird eine digitale Kennung übertragen, die der Empfänger auswerten kann.
Das Verfahren erfüllt eine ähnliche Aufgabe wie CTCSS, arbeitet aber technisch anders.
Nicht jedes Relais unterstützt DCS. Aktiviere es deshalb nur, wenn die Relaisdaten diese Zugangsmethode ausdrücklich vorsehen.
Wird der 1750-Hz-Tonruf noch verwendet?
Ja, einzelne analoge Relais lassen sich weiterhin mit einem kurzen 1750-Hz-Tonruf aktivieren.
Andere Relais verwenden CTCSS oder zusätzliche Verfahren. Der Tonruf ist deshalb weder grundsätzlich erforderlich noch überall abgeschaltet.
Die IARU Region 1 sieht CTCSS beziehungsweise einen 1750-Hz-Tonruf als Zugangsverfahren für analoge FM-Relais vor und bevorzugt CTCSS bei neuen Relaisinstallationen.
Relais öffnen und erstes QSO führen
Ist dein Funkgerät richtig eingestellt, kannst du den ersten Funkkontakt vorbereiten.
Schritt 1: Zuerst zuhören
Höre zunächst auf der Ausgabefrequenz zu.
Läuft bereits ein Gespräch? Ist eine Funkrunde aktiv? Oder sendet das Relais gerade eine Kennung?
Beginne erst mit deinem Anruf, wenn das Relais frei ist.
Schritt 2: Relaiszugang prüfen
Kontrolliere noch einmal die Ablage und den gegebenenfalls erforderlichen Zugangston.
Manche Relais bestätigen eine erfolgreiche Aktivierung mit einem kurzen Ton oder einem Nachlauf der Aussendung.
Nicht jedes Relais gibt jedoch einen solchen Bestätigungston aus.
Schritt 3: Allgemeinen Anruf starten
Ist das Relais frei, kannst du beispielsweise rufen:
„Allgemeiner Anruf über DB0XYZ, hier DO1CHP, hört.“
DB0XYZ dient hier als Platzhalter für das Relaisrufzeichen.
Ein allgemeiner Anruf muss nicht kompliziert sein. Nenne dein Rufzeichen deutlich und warte anschließend auf eine Antwort.
Schritt 4: Auf eine Gegenstation antworten
Meldet sich eine andere Station, kannst du das Gespräch so beginnen:
„DL1ABC von DO1CHP, guten Abend. Mein Name ist Christian. Wie ist mein Signal bei dir?“
Die Gegenstation kann dir eine Rückmeldung zur Verständlichkeit geben.
Das ist gerade beim ersten Relaisbetrieb hilfreich. Ein Relais kann deine Aussendung erkennen, obwohl deine Sprache nur schwach oder verrauscht ankommt.
Schritt 5: Gespräch führen
Sprich deutlich und halte das Mikrofon in einem geeigneten Abstand.
Lasse nach jedem Durchgang eine kurze Pause, bevor du erneut sendest. So haben andere Stationen Gelegenheit, sich zu melden.
Ein Relais-QSO muss nicht aus langen Durchgängen bestehen. Gerade für den Einstieg sind kurze, verständliche Aussendungen sinnvoll.
Schritt 6: Gespräch beenden
Zum Abschluss kannst du dich beispielsweise so verabschieden:
„Vielen Dank für das nette QSO. Hier DO1CHP, ich höre weiter mit.“
Du musst diese Formulierungen nicht auswendig lernen. Wichtig sind die korrekte Verwendung der Rufzeichen und ein respektvoller Gesprächsablauf.

Höflichkeit und Funkdisziplin
Relais werden von vielen Funkamateuren gemeinsam genutzt. Rücksichtnahme gehört deshalb zum guten Funkbetrieb.
Erst hören, dann senden: Unterbrich keine laufenden Gespräche ohne triftigen Grund.
Umschaltpausen lassen: Warte nach einem Durchgang kurz, bevor du erneut die Sendetaste drückst. So können sich weitere Stationen melden.
Deutlich sprechen: Vermeide übermäßig lautes Sprechen und halte das Mikrofon in einem geeigneten Abstand.
Sendeleistung anpassen: Verwende nur so viel Leistung, wie für eine zuverlässige Verbindung erforderlich ist.
Sprechzeitbegrenzung beachten: Manche Relais beenden eine längere Aussendung automatisch. Halte deine Durchgänge deshalb angemessen kurz.
Andere Stationen einbeziehen: Meldet sich eine weitere Station, gib ihr bei einer passenden Gelegenheit Raum.
Wann muss ich mein Rufzeichen nennen?
Nach § 11 Absatz 1 der Amateurfunkverordnung muss das zugeteilte Rufzeichen zu Beginn und am Ende jeder Funkverbindung sowie mindestens alle zehn Minuten während des Funkverkehrs übermittelt werden.
Diese Regel gilt auch beim Relaisbetrieb.
Die Einzelheiten findest du in der Amateurfunkverordnung, § 11.
Häufige Fehler beim Relaisbetrieb – und die schnelle Lösung
Du hörst das Relais, aber niemand hört dich? Oder dein Funkgerät zeigt ein Empfangssignal an, obwohl keine Sprache zu hören ist?
Die folgende Übersicht hilft bei der Fehlersuche.
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Relais ist hörbar, öffnet aber nicht | Falsche Ablage oder Eingabefrequenz | Frequenzpaar prüfen |
| Relais reagiert nicht | CTCSS/DCS fehlt oder ist falsch | Zugangston kontrollieren |
| 1750-Hz-Tonruf funktioniert nicht | Relais unterstützt ihn nicht | Relaisdaten prüfen |
| Sprache kommt zu leise an | FM/NFM-Einstellung oder Mikrofonführung ungeeignet | Modulation und Mikrofonabstand prüfen |
| Empfangsanzeige aktiv, aber nichts hörbar | RX-CTCSS oder Rauschsperre falsch | Empfangseinstellungen kontrollieren |
| Gegenstation hört dich verrauscht | Ungünstiger Standort oder schwaches Signal | Standort oder Antenne verbessern |
| Relais schaltet während des Gesprächs ab | Sprechzeitbegrenzung | Kürzere Durchgänge verwenden |
| Niemand antwortet | Keine Gegenstation verfügbar | Später erneut rufen |
| Relais sendet nach dem Loslassen der PTT weiter | Nachlaufzeit der Relaissteuerung | Normal, sofern so konfiguriert |
Warum öffnet mein 2-m-Relais nicht?
Kontrolliere zuerst die Eingabefrequenz. Bei einer Ablage von −600 kHz muss dein Funkgerät beim Senden tatsächlich auf die entsprechend niedrigere Frequenz wechseln.
Prüfe anschließend den Zugangston. Ein falsch eingestellter CTCSS-Wert kann verhindern, dass das Relais deine Aussendung weiterleitet.
Sind die Einstellungen korrekt, kann dein Signal am Relaisempfänger zu schwach sein. Ein Standortwechsel kann helfen.
Warum höre ich das Relais, werde aber selbst nicht gehört?
Die Verbindung vom Relais zu deinem Funkgerät und die Verbindung von deinem Funkgerät zum Relais sind zwei unterschiedliche Funkstrecken.
Ein Relais kann bei dir ein starkes Signal erzeugen, obwohl dein eigenes Funkgerät dessen Empfänger nur schwach erreicht.
Deshalb beweist ein gut hörbares Relais noch nicht, dass deine Aussendung zuverlässig übertragen wird.
Checkliste für den ersten Relaisbetrieb
Bevor du deinen ersten Anruf startest, solltest du diese Punkte kontrollieren:
- Relaisrufzeichen und Standort bekannt
- Ausgabefrequenz richtig eingestellt
- Eingabefrequenz beziehungsweise Ablage geprüft
- Passende FM-/NFM-Einstellung gewählt
- CTCSS/DCS bei Bedarf aktiviert
- 1750-Hz-Tonruf nur bei entsprechendem Relais verwendet
- Empfangsrauschsperre kontrolliert
- Geeignete Sendeleistung gewählt
- Vor dem Senden zugehört
- Eigenes Rufzeichen bereit
- Kurze Umschaltpausen eingeplant
Mit dieser Checkliste lassen sich viele typische Einstellungsfehler vermeiden.
Häufige Fragen zum Relaisbetrieb
Welche Ablage brauche ich auf 2 m?
Bei vielen analogen FM-Relais in Deutschland beträgt die Ablage −600 kHz. Maßgeblich sind jedoch die tatsächlichen Frequenzdaten des gewünschten Relais.
Welche Ablage wird auf 70 cm verwendet?
Bei vielen deutschen 70-cm-FM-Relais beträgt die Ablage −7,6 MHz. Andere Frequenzkonfigurationen sind ebenfalls möglich.
Wie kann ich ein 2-m-Relais öffnen?
Stelle die Ausgabefrequenz und die richtige Eingabefrequenz ein. Falls erforderlich, aktiviere den passenden CTCSS-Ton oder das vom Relais verwendete Zugangsverfahren. Höre vor dem Senden zu und beginne anschließend mit einem kurzen Anruf.
Brauche ich immer einen CTCSS-Ton?
Nein. Einige Relais benötigen CTCSS, andere verwenden einen 1750-Hz-Tonruf oder weitere Zugangsverfahren. Entscheidend ist die Konfiguration des jeweiligen Relais.
Muss ich für Relaisbetrieb NFM einstellen?
Nicht grundsätzlich. Die passende Einstellung richtet sich nach dem Kanalraster, der Relaiskonfiguration und dem Funkgerät. Prüfe die technischen Betriebsdaten.
Wo finde ich Relaisfrequenzen in meiner Nähe?
Relaisverzeichnisse und Informationen örtlicher Amateurfunkvereine helfen bei der Suche. Prüfe nach Möglichkeit die aktuellen Angaben des Relaisbetreibers.
Darf ich ohne Amateurfunkzulassung über ein Relais senden?
Für den regulären Sendebetrieb im Amateurfunk ist eine entsprechende Berechtigung erforderlich. Ausbildungsfunkbetrieb ist unter den Voraussetzungen des § 12 AFuV möglich.
Der reine Empfang von Amateurfunkaussendungen erfordert keine Amateurfunkzulassung.
Was ist beim ersten Relais-QSO besonders wichtig?
Höre zunächst zu, kontrolliere deine Geräteeinstellungen, verwende dein Rufzeichen und lasse zwischen den Durchgängen kurze Pausen. Ein einfacher allgemeiner Anruf genügt, um ein Gespräch zu beginnen.
Der Einstieg in den Relaisbetrieb muss nicht kompliziert sein. Wenn du die Frequenzablage verstanden hast, den richtigen Zugangston verwendest und vor dem Senden aufmerksam zuhörst, sind die wichtigsten Voraussetzungen erfüllt.
Wähle für deine ersten Versuche ein gut empfangbares Relais in deiner Region und speichere dessen Betriebsdaten im Funkgerät. So kannst du dich beim nächsten Funkkontakt auf das Gespräch konzentrieren, statt erneut durch die Menüs zu navigieren.




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