Stromausfall in Berlin: Was ein Blackout für Menschen, Funkdienste und den Amateurfunk bedeutet – und wie wir uns vorbereiten können
Es ist kurz nach 18 Uhr. In einem Berliner Wohnviertel geht plötzlich das Licht aus. Erst in einer Wohnung, dann im ganzen Haus. Wenige Sekunden später stehen auch die Ampeln still. Menschen bleiben stehen, schauen auf ihre Smartphones – doch auch dort: kein Netz, kein Empfang. Die Stadt wirkt wie eingefroren.
Was in diesem Moment spürbar wird, ist mehr als Dunkelheit. Stromausfall ist unter anderem der Verlust von Kommunikation.
Großflächige Stromausfälle gehören laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit Jahren zu den realistischen Risikoszenarien in Deutschland. Besonders in einer Metropole wie Berlin wirken sie schnell, tief und unübersichtlich. Für die Bevölkerung. Für Behörden. Für Funkdienste.
Und genau hier rückt eine Kommunikationsform in den Fokus, die oft übersehen wird: der Amateurfunk.
Dieser Artikel ordnet ein, was ein Stromausfall konkret bedeutet, wie sich verschiedene Funkdienste verhalten und welche Rolle Funkamateure übernehmen können – organisiert in Notfunkgruppen oder als einzelne OM und YL.
Inhaltsverzeichnis
1. Warum ein Stromausfall in Berlin besonders kritisch ist
Berlin ist eine hochgradig verdichtete, digitalisierte und vernetzte Stadt. Genau diese Stärke wird im Blackout zur Schwäche. Das BBK beschreibt in seinen Risikoanalysen sogenannte Kaskadeneffekte: Fällt der Strom, folgen weitere Ausfälle fast zwangsläufig.
Typische Folgen innerhalb kurzer Zeit:
- Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs
- Ausfall von Ampeln und Verkehrslenkung
- Einschränkungen bei Wasser- und Abwassersystemen
- Störungen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern
- Zusammenbruch digitaler Kommunikationsnetze
Je länger der Stromausfall dauert, desto weniger greifen technische Sicherungen. Notstromsysteme sind endlich. Personal wird müde. Informationen fehlen. Besonders in Großstädten entstehen so schnell Unsicherheit und Orientierungslosigkeit.
2. Was ein Blackout für die Bevölkerung konkret bedeutet
Für viele Menschen beginnt ein Stromausfall harmlos. Licht aus, Router tot. Doch aus Minuten werden Stunden.
Nach kurzer Zeit treten spürbare Probleme auf:
- Supermärkte schließen
- Kartenzahlung ist nicht mehr möglich
- Geldautomaten fallen aus
- Aufzüge bleiben stehen
- Informationen fehlen
- Angehörige sind nicht erreichbar
Das BBK empfiehlt deshalb ausdrücklich eine Eigenvorsorge für mindestens 72 Stunden. Dazu gehören Lebensmittel, Wasser, Medikamente – und Information. Batteriebetriebene Radios werden nicht ohne Grund immer wieder genannt. Wer keine Informationen hat, kann keine Entscheidungen treffen.
3. Mobilfunk, Internet, Rundfunk: Wer fällt wann aus?
Mobilfunk
Mobilfunk-Basisstationen verfügen über Akkus oder Notstromaggregate. Diese sind jedoch meist nur auf 30 Minuten bis wenige Stunden ausgelegt. Bei hoher Netzauslastung – typisch bei Stromausfällen – verkürzt sich diese Zeit deutlich.
Diese Zeiträume werden unter anderem in BBK-Publikationen sowie in öffentlichen Stellungnahmen von Netzbetreibern genannt. Exakte Laufzeiten hängen stark vom Standort und der Technik ab und können nicht pauschal garantiert werden.
Internet & Festnetz
- Router in Haushalten fallen sofort aus
- Vermittlungsstellen sind nur begrenzt gepuffert
- Glasfaser benötigt aktive Technik auf beiden Seiten
Ein stabiler Internetzugang ist im Blackout daher eher die Ausnahme als die Regel.
Rundfunk
UKW-Radio bleibt häufig am längsten verfügbar. Öffentlich-rechtliche Sender sind vergleichsweise gut abgesichert und ein zentraler Bestandteil der staatlichen Krisenkommunikation. Ein einfaches Radio wird so schnell zum wichtigsten Informationskanal.
4. BOS-Funk: Hochverfügbar, aber nicht grenzenlos
Der digitale BOS-Funk (TETRA) ist auf Ausfallsicherheit ausgelegt. Dennoch gilt auch hier: Notstrom ist endlich.
Bekannte Rahmenbedingungen:
- Notstromversorgung an Basisstationen
- Abhängigkeit von Leitstellen und IP-Infrastruktur
- Priorisierung bei hoher Auslastung
Für langanhaltende Stromausfälle existieren Redundanz- und Fallback-Konzepte. Details sind aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich. Eine unbegrenzte Autarkie ist jedoch nicht realistisch. Auch BOS-Systeme geraten bei langanhaltenden Blackouts unter Druck.
5. Warum Amateurfunk im Blackout funktioniert
Der Amateurfunk ist bewusst dezentral organisiert. Genau das macht ihn in Krisensituationen widerstandsfähig.
Technische Stärken des Amateurfunks:
- Betrieb ohne öffentliche Netze
- Eigene Stromversorgung (Akkus, Solar, Generator)
- Direkte Punkt-zu-Punkt-Kommunikation
- Simplex-Betrieb unabhängig von Infrastruktur
- Relaisbetrieb, sofern verfügbar
Die Bundesnetzagentur beschreibt den Amateurfunk als nicht-kommerziellen Funkdienst mit experimentellem und gesellschaftlichem Nutzen. In Krisenlagen zeigt sich dieser Nutzen sehr konkret: Kommunikation funktioniert weiter – leise, sachlich und unabhängig.
6. Notfunk: organisiert oder spontan?
Nicht jeder Funkbetrieb im Blackout ist automatisch Notfunk. In der Praxis lassen sich zwei Ebenen unterscheiden:
| Organisierter Notfunk | Spontaner Funkbetrieb |
|---|---|
| Klare Strukturen | Einzelne OM/YL |
| Definierte Rollen | Zuhören & Weitergeben |
| Regelmäßige Übungen | Situative Hilfe |
| Absprachen im Vorfeld | Hohe Flexibilität |
Zwei starke Stimmen für den Notfunk: DARC und Notfunk Deutschland bündeln ihre Kräfte
Beide Formen haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass sie diszipliniert und vorbereitet stattfinden.
7. Vorbereitung für organisierte Notfunkgruppen
Organisierte Notfunkgruppen arbeiten strukturiert. Vorbereitung ist hier entscheidend.
Technik
- Netzunabhängige Stromversorgung (12-V-Systeme, LiFePO₄)
- VHF/UHF, bei Bedarf Kurzwelle
- Redundante Antennen, Kabel und Stecker
Organisation
- Klare Ansprechpartner
- Rollenverteilung (Operator, Log, Technik)
- Gedruckte Betriebs- und Frequenzpläne
Ausbildung
- Regelmäßige Notfunkübungen
- Klartext statt Q-Codes
- Funkdisziplin und Stressresistenz
Dokumentation
- Gedruckte Checklisten
- Lageformulare
- Logbücher
8. Vorbereitung für einzelne OM und YL
Auch ohne feste Gruppe kann jeder Funkamateur sinnvoll vorbereitet sein.
Sinnvolle Grundausstattung:
- Handfunkgerät oder Mobiltransceiver
- Geladene Ersatzakkus
- Einfache Portabelantenne (z. B. Draht, Slim-Jim)
- UKW-Radio für offizielle Informationen
Wissen:
- Lokale Relais und Simplexfrequenzen
- Grundlagen der Notstromversorgung
- Einfache Antennenaufbauten
Haltung:
- Erst zuhören, dann senden
- Keine Gerüchte oder Spekulationen
- Ruhig, sachlich und verständlich bleiben
Manchmal ist das Wichtigste nicht das Senden, sondern das Bereitsein.
9. Zusammenarbeit mit Behörden – Chancen und klare Grenzen
Ein zentraler Punkt muss klar sein: Funkamateure ersetzen keine BOS.
Sie können jedoch:
- Kommunikationslücken überbrücken
- Informationen weiterleiten
- Lokal unterstützen
Voraussetzung sind klare Absprachen und ein gemeinsames Verständnis der Rollen. Eigenmächtiges Handeln schadet der Akzeptanz des Amateurfunks und kann im Ernstfall kontraproduktiv sein.
10. Fazit: Vorbereitung ist Funkdisziplin
Ein Stromausfall in Berlin zeigt, wie schnell moderne Kommunikation an ihre Grenzen stößt. Mobilfunk, Internet und selbst hochverfügbare Systeme sind nicht unbegrenzt belastbar.
Der Amateurfunk kann in solchen Situationen stabil, unabhängig und wirksam sein. Doch das gilt nur, wenn Vorbereitung, Wissen und Haltung stimmen.
Notfunk beginnt nicht im Blackout.
Er beginnt lange vorher – mit Übung, Verantwortung und Funkdisziplin.
11. FAQ – Häufige Fragen zum Notfunk bei Stromausfall
Darf ich bei Stromausfall funken?
Ja. Im Rahmen der Amateurfunkzulassung und der geltenden Regeln.
Sind Relais im Blackout verfügbar?
Teilweise. Viele Relais haben Notstrom, aber begrenzte Laufzeiten.
Kann ich auch ohne Gruppe helfen?
Ja. Zuhören, Weiterleiten und Dokumentieren sind wertvolle Beiträge.
Darf ich BOS ersetzen oder abhören?
Nein. Amateurfunk ergänzt, ersetzt aber keine BOS-Strukturen.




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