CEPT im Amateurfunk: Wie internationales Funken wirklich funktioniert – Rechte, Pflichten und Praxis
Der Transceiver steht auf dem Campingtisch. Nebenan rauscht das Meer, im Hintergrund klappert eine Fahnenleine im Wind. Ein kurzer Blick auf den Bandplan, dann ein Ruf auf 20 Meter – und schon meldet sich eine Station aus Skandinavien.
So fühlt sich Amateurfunk für viele an: frei, international, grenzenlos.
Doch diese Freiheit ist kein Zufall. Sie basiert auf klaren Regeln. Eine davon heißt CEPT.
Was viele Funkamateure nur grob kennen, ist in Wahrheit ein präzises Regelwerk. Wer CEPT richtig versteht, funkt im Ausland legal, entspannt und ohne böse Überraschungen. Wer sie missversteht, riskiert Ärger – oft unbewusst. Dieser Artikel erklärt CEPT im Amateurfunk verständlich, faktenbasiert und praxisnah und zeigt, worauf es im Alltag wirklich ankommt.
Table of Contents
1. Was ist CEPT im Amateurfunk?
CEPT steht für
Conférence Européenne des Administrations des Postes et des Télécommunications.
Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss europäischer Fernmeldeverwaltungen. Ziel ist es, technische und rechtliche Rahmenbedingungen in der Telekommunikation zu harmonisieren – darunter auch den Amateurfunkdienst.
Wichtig ist ein Punkt, der häufig übersehen wird:
CEPT ist kein Gesetz, sondern eine Empfehlung. Jedes Land entscheidet selbst, ob und wie es diese Empfehlung umsetzt. Genau daraus ergeben sich sowohl die Vorteile als auch die Grenzen dieser Regelung.
2. Warum CEPT für Funkamateure so wichtig ist
Ohne CEPT wäre internationaler Amateurfunk deutlich komplizierter. Funkamateure müssten:
- nationale Gastlizenzen beantragen
- Bearbeitungszeiten von Wochen oder Monaten abwarten
- Gebühren zahlen
- sich mit fremden Prüfungs- und Zulassungssystemen auseinandersetzen
CEPT vereinfacht diesen Prozess erheblich. Sie erlaubt Funkamateuren, vorübergehend im Ausland zu funken, ohne eine neue Lizenz beantragen zu müssen – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
In der Praxis bedeutet das:
- Funkbetrieb im Urlaub
- Portabelbetrieb bei SOTA- oder POTA-Aktivitäten
- Teilnahme an internationalen Contests
- zeitlich begrenzter Funkbetrieb jenseits der Landesgrenze
CEPT macht den Amateurfunk damit mobil, flexibel und international nutzbar.
3. CEPT T/R 61-01: Der Standard für voll lizenzierte Funkamateure
Das Herzstück der CEPT-Regelungen ist die Empfehlung T/R 61-01. Sie gilt für Funkamateure mit einer vollwertigen Lizenz und erlaubt den Funkbetrieb in anderen CEPT-Ländern ohne zusätzliche Genehmigung.
Kernaussagen der T/R 61-01:
- Gilt für vorübergehende Aufenthalte
- In der Regel bis zu drei Monate (abhängig vom Gastland)
- Eine gültige Heimlizenz ist zwingend erforderlich
- Es gelten immer die nationalen Vorschriften des Gastlandes
In Deutschland erfüllen diese Voraussetzungen:
- Amateurfunkklasse A
Diese Einordnung ist durch Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) sowie die originalen CEPT-Dokumente eindeutig belegt.
4. CEPT T/R 61-02: Die Novice-Regelung
Weniger bekannt, aber für viele Funkamateure relevant, ist die CEPT-Empfehlung T/R 61-02. Sie betrifft sogenannte Novice-Lizenzen.
In Deutschland ist das:
- Amateurfunkklasse E
Mit dieser Lizenz ist CEPT-Betrieb möglich – aber nicht automatisch in allen Ländern. Häufig gibt es Einschränkungen bei:
- erlaubten Frequenzbändern
- maximaler Sendeleistung
- zugelassenen Betriebsarten
⚠️ Wichtig:
Nicht jedes CEPT-Land erkennt T/R 61-02 an. Diese Information muss vor Reiseantritt geprüft werden. Eine pauschale Aussage ist hier nicht möglich und wäre unseriös.
5. In welchen Ländern gilt CEPT?
CEPT gilt nicht weltweit und auch nicht automatisch in jedem europäischen Land.
Typische CEPT-Länder (Auswahl):
- Deutschland
- Frankreich
- Italien
- Spanien
- Österreich
- Schweiz
- Niederlande
- skandinavische Länder
- viele osteuropäische Staaten
Außerhalb Europas haben einige Länder CEPT-Regelungen übernommen, etwa:
- Südafrika
- Australien (mit Einschränkungen)
Da sich nationale Umsetzungen ändern können, empfehlen verlässliche Stellen wie DARC, IARU Region 1 oder die jeweiligen Regulierungsbehörden, die aktuelle Situation vor jeder Reise zu prüfen.
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6. Rufzeichenführung im CEPT-Betrieb
Ein klassischer Fehler im Ausland: einfach mit dem deutschen Rufzeichen senden. Das ist nicht zulässig.
Richtige Rufzeichenführung:
Beispiele:
- DL1ABC in Frankreich → F/DL1ABC
- DO1CHP in Österreich → OE/DO1CHP
Zusätze:
/Pfür portabel/Mfür mobil
👉 Beispiel: OE/DO1CHP/P
Diese Regel ist Bestandteil der CEPT-Empfehlung und verbindlich.
7. Bänder, Leistungen und Betriebsarten
Ein häufiger Irrtum lautet:
„Im Ausland darf ich alles funken, was ich zu Hause darf.“
Das ist falsch.
Im CEPT-Betrieb gilt immer:
- das Recht des Gastlandes
- der nationale Bandplan
- die dort erlaubten Leistungen und Betriebsarten
Das betrifft unter anderem:
- maximale Sendeleistung
- Nutzung bestimmter Digitalmodi
- Sonderfrequenzen und Schutzbereiche
Digitale Betriebsarten wie FT8, FT4 oder DMR sind nicht automatisch überall erlaubt, auch wenn sie technisch möglich wären.
8. Typische Irrtümer rund um CEPT im Amateurfunk
Häufige Missverständnisse:
- CEPT im Amateurfunk gilt weltweit
- CEPT erlaubt unbegrenzten Aufenthalt
- CEPT ersetzt nationale Gesetze
- CEPT erlaubt automatisch Notfunk
Tatsächlich gilt:
- CEPT im Amateurfunk ist zeitlich begrenzt
- Nationale Vorschriften haben Vorrang
- Notfunk ist national geregelt
Diese Klarstellung schützt vor unangenehmen Situationen und Missverständnissen im Ausland.
9. CEPT in der Praxis: Portabel, Mobil, Urlaub
CEPT spielt ihre Stärke vor allem im portablen und mobilen Funkbetrieb aus. Wer vorbereitet ist, funkt entspannter und rechtssicher.
Bewährte Praxis:
- Kopie der Amateurfunklizenz mitführen
- CEPT-Empfehlung digital oder ausgedruckt bereithalten
- Nationalen Bandplan offline speichern
Das ist keine gesetzliche Pflicht, erleichtert aber mögliche Kontrollen erheblich.
10. Wo CEPT endet: Grenzen der Regelung
CEPT gilt nicht für:
- dauerhaften Aufenthalt im Ausland
- Aufbau eigener Relais, Baken oder automatischer Stationen
- kommerzielle Nutzung
- dauerhafte Verlagerung des Wohnsitzes
In diesen Fällen sind immer nationale Genehmigungen erforderlich.
11. Praxis-Checkliste: CEPT vor der Reise prüfen
| Punkt | geprüft? |
|---|---|
| Zielland setzt T/R 61-01 oder 61-02 um | ⬜ |
| Eigene Lizenzklasse anerkannt | ⬜ |
| Nationaler Bandplan gespeichert | ⬜ |
| Rufzeichenpräfix bekannt | ⬜ |
| Leistungsgrenzen geprüft | ⬜ |
| Lizenzkopie dabei | ⬜ |
Diese einfache Checkliste verhindert die meisten Fehler im Ausland.
12. Fazit: CEPT im Amateurfunk ist Freiheit – aber keine Spielwiese
CEPT ist eine der wichtigsten Errungenschaften im internationalen Amateurfunk. Sie ermöglicht Mobilität, Austausch und echte Funkfreiheit.
Doch diese Freiheit hat klare Regeln. Wer CEPT nutzt, trägt Verantwortung – gegenüber dem Gastland, der Community und dem Amateurfunk selbst.
Oder anders gefragt: Was nützt die schönste Portabelstation, wenn sie rechtlich auf wackligen Beinen steht?
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13. FAQ – Häufige Fragen zu CEPT im Amateurfunk
Gilt CEPT automatisch in jedem Land?
Nein. Die Umsetzung ist freiwillig.
Darf ich mit Klasse E überall funken?
Nein. T/R 61-02 wird nicht in allen Ländern anerkannt.
Muss ich meine Lizenz mitführen?
Ja, dringend empfohlen.
Ersetzt CEPT nationale Notfunkregelungen?
Nein.


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